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Die Gedenkstättenkonzeption der Landeszentrale für politische Bildung

Nachdem im August 1991 der Auftrag der Landesregierung an die Landeszentrale für politische Bildung zur Erstellung einer Gedenkstättenkonzeption ergangen war, berief die Landeszentrale eine Arbeitsgruppe zur Erstellung einer solchen. Unter Federführung der Landeszentrale wurde ein Kon­zept entwickelt, das sich mit Inhalt, Organisation und personellen Fragen der Gedenk­stättenarbeit in Rheinland-Pfalz auseinandersetzte.

Den Kern des Entwurfes der Landeszentrale bilden folgende Grundsätze:

  • „Osthofen und Hinzert sind die zentralen Gedenkstätten des Landes Rheinland-Pfalz. Weitere Gedenkstätten des Landes werden nicht vorgesehen.“
  • „Die Landeszentrale für politische Bildung, später auch, nach erfolgter Gründung, das 'NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz', sollen die inhaltliche und organisatorische Arbeit der Gedenkstätten und Organisationen, die sich mit der NS-Geschichte befassen, koordinieren“.
  • „Gedenkstättenarbeit darf und kann kein Monopol der öffentlichen Hand werden. Neben Kreisen, Städten, Gemeinden stehen Initiativen, Vereine und Institutionen ebenso wie das Land in der gemeinsamen Verantwortung.“

Das NS-Dokumentationszentrum soll Ansprechpartner und zentrale Informationsstelle sein für Menschen, die sich mit der NS-Vergangenheit ihrer Heimatregion in Rheinland-Pfalz auseinandersetzen wollen. Für Osthofen als Ort des NS-Dokumentationszentrums entschied man sich aufgrund der dort vorhandenen und bereits im Landesbesitz befindlichen Raumkapazitäten.

Im Hinblick auf die Entwicklung der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert hieß es u. a. in der Konzeption: „Aufgrund des besonderen außenpolitischen Charakters und dem überregionalen Bezug der Gedenkstätte sollte geprüft werden, ob und inwieweit der Bund mit in die Verantwortung genommen werden kann“. Es wurde eine schrittweise Fortentwicklung der Gedenkstätte in der Konzeption vorgesehen: nach der Erarbeitung eines Forschungsüberblicks und Informationsverbesserungen unter freiem Himmel sollten verstärkt Veranstaltungen mit Kooperationspartnern in der Nähe von Hinzert, insbesondere für Schul- und Jugendgruppen durchgeführt werden. Für den dritten und letzten Baustein für die Gedenkstätte in Hinzert hieß es: „Das Land Rheinland-Pfalz versucht, das an die Gedenkstätte grenzende Vereinsgrundstück zu erwerben, strebt eine Nutzung des Friedhofswärterhauses an und prüft gegebenenfalls einen Erweiterungsbau auf dem erworbenen Vereinsgelände.“

Das Kabinett des Landes Rheinland-Pfalz erklärte sich im Dezember 1992 „in der Tendenz mit der Konzeption einverstanden“ und beschloss direkt die nötigen Bausicherungsmaßnahmen zur Erhaltung des ehemaligen KZ Osthofen, sowie den Ausbau zu einer Dokumentationsstätte, der bis 2004 schrittweise umgesetzt wurde.

In Hinzert installierte die Landeszentrale für politische Bildung im Rahmen der Umsetzung der Konzeption ab 1997 ein Informationssystem, das die „Stätten der Unmenschlichkeit“ im Umfeld des ehemaligen Lagers ausweist und ihre historische Bedeutung erläutert.

Im Frühjahr 2002 schrieb der rheinland-pfälzische Landtag einen internationalen Architektenwettbewerb für den Bau eines Dokumentations- und Begegnungshauses aus, den das Architekturbüro Wandel-Höfer-Lorch und Hirsch aus Saarbrücken gewann. An der Realisierung des Baus beteiligten sich das Land Rheinland-Pfalz und der Bund. Am 10. Dezember 2005 wurde das Dokumentations- und Begegnungshaus in Anwesenheit des luxemburgischen Premierministers Jean Claude Juncker und diplomatischer Vertreter der Niederlande, Frankreichs, Polens, Russlands und Serbien-Montenegros und zahlreicher ehemaliger Deportierter aus Luxemburg und Frankreich vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck eröffnet.

Die Konzeption wurde in eineinhalb Jahrzehnten weitgehend realisiert: Seit Ende 2005 sind beide Gedenkstätten voll funktionsfähige Einrichtungen des Gedenkens und der historisch-politischen Bildung.

Unterrichtung durch die Landesregierung: "Gesamtkonzeption Gedenk-, Dokumentations- und Begegnungsstätten für die Opfer des Nazi-Regimes" (26. Januar 1993) als PDF-Datei

 

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